Slow Life · Sisterhood
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Warum unsere Großmütter nie ausgebrannt waren

Meine Großmutter hat gearbeitet, vier Kinder großgezogen, einen Haushalt geführt und nebenbei den Garten gemacht. Sie hatte nie ein Coaching, nie einen Burnout, und kannte das Wort Achtsamkeit nicht. Was hat sie anders gemacht?

Frau betrachtet alte Schwarz-Weiß-Fotos ihrer Großmutter, daneben Bücher „Ein simples Leben

Die Burnout-Rate hat sich in den letzten dreißig Jahren in Deutschland verdreifacht. Das passt nicht zu der Erzählung, dass Frauen früher mehr arbeiten mussten. Es muss also etwas anderes verloren gegangen sein.

Die Zahlen kurz

Das Robert Koch-Institut dokumentiert: Burnout-Diagnosen bei Frauen unter 60 sind seit den 1990ern um den Faktor 3 gestiegen. In der Boomer-Generation gab es das Wort kaum, geschweige denn die klinische Realität. Auch die WHO klassifiziert Burnout erst seit 2019 als anerkanntes Phänomen. Davor: einfach nicht im Vokabular.

Was sie anders gemacht haben

  • Sie hatten ein Dorf. Schwiegermutter, Nachbarin, Freundin um die Ecke. Co-Regulation passierte täglich, ohne dass das Wort dafür existierte.
  • Sie haben Hausarbeit als Bewegung und Pause zugleich erlebt. Wäsche aufhängen, Garten umstechen, Brot backen. Rhythmische Tätigkeit, kein Bildschirm.
  • Sie waren mit ihren Händen verbunden. Stricken, nähen, einkochen. Das beruhigt das Nervensystem nachweislich.
  • Sie haben weniger gehört. Kein Radio im Auto, keine Podcasts, kein Endless-Scroll. Der Kopf hatte Stunden ohne Input.
  • Sie sind früh ins Bett gegangen. Schlafarchitektur damals: 22 Uhr ins Bett, 6 Uhr raus. Acht Stunden, ohne Diskussion.

Was wir davon übernehmen können

  1. Ein wöchentlicher Telefon-Termin mit einer Frau, die dir guttut. Nicht Sprachnachricht, Telefon. Echte Co-Regulation.
  2. Eine Tätigkeit am Tag mit den Händen, ohne Bildschirm. Kochen, malen, im Garten arbeiten, stricken, kneten.
  3. Eine Stunde am Tag ohne Input. Kein Podcast, kein Radio, kein Audio. Nur du und deine Gedanken.
  4. 22 Uhr Ins-Bett-Ziel. Klingt brav, ist revolutionär.
  5. Einmal pro Woche etwas vorbereiten oder einmachen. Suppe für die Woche, Brot, eingelegtes Gemüse. Du wirst spüren, wie das deinen ganzen Wochenrhythmus beruhigt.

Du bist nicht schwach, weil du dich erschöpft fühlst. Du lebst in einer Zeit, die nicht für ein menschliches Nervensystem gebaut ist. Du darfst zurück in einen Rhythmus, der dich trägt.

Was du jetzt tust, ist Selbstführung.

Wenn du dich gerade an einer Stelle wiedererkennst: schreib es auf. Nicht für eine Therapeutin, nicht für eine Freundin, erstmal nur für dich.

Deine Aitekin