Hormone, Lust & Wechseljahre: Was die Medizin oft übersieht
Schmerzen beim Sex, sinkende Lust, Trockenheit, Stimmungstiefs: vieles davon ist nicht „nur im Kopf", sondern hormonell und behandelbar. Was die Sexualmedizinerin Dr. Rachel Rubin Frauen mitgibt, und eine ehrliche Podcast-Empfehlung dazu.
Viele Paare kämpfen still mit sexuellen Schwierigkeiten und glauben, es liege an ihnen als Person oder an der Beziehung. Die US-Sexualmedizinerin Dr. Rachel Rubin sagt klar: Die meisten dieser Probleme haben biologische, oft hormonelle Ursachen, und die sind behandelbar. Sie werden nur viel zu selten erkannt.
Dr. Rubin ist eine der wenigen auf weibliche Sexualmedizin spezialisierten Ärztinnen in den USA. Ihr Kernanliegen: mehr Bildung, für Patientinnen genauso wie für Ärztinnen und Ärzte. Denn was als „psychisch" oder „normales Altern" abgetan wird, ist oft schlicht ein unbehandelter Hormonmangel.
Hormone & Wechseljahre: mehr als nur Hitzewallungen
Perimenopause und Menopause betreffen den ganzen Körper, nicht nur den Zyklus. Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Libidoverlust, Schlafprobleme und Schmerzen werden häufig einzeln und falsch eingeordnet, statt als hormonelle Umstellung erkannt.
- Eine Hormonersatztherapie (HRT) kann viele dieser Beschwerden deutlich lindern und gilt heute als sicherer, als der schlechte Ruf aus älteren Studien vermuten lässt.
- Besonders lokale vaginale Östrogene (z. B. als Creme) können Trockenheit, Schmerzen und sogar wiederkehrende Harnwegsinfekte vorbeugen, oft wirksamer als teure Alternativen.
- Dr. Rubin betont auch die Rolle von Testosteron bei Frauen, ein Hormon, das in der Frauenmedizin lange kaum beachtet wurde.
Schmerzen beim Sex und Schwierigkeiten beim Orgasmus
Etwa jede vierte Frau hat Schwierigkeiten, beim penetrativen Sex zum Orgasmus zu kommen. Ein Hauptgrund: Die Anatomie der Klitoris wird kaum verstanden, auch in der ärztlichen Ausbildung. Die meisten Orgasmen sind klitoral, nicht vaginal.
- Mögliche körperliche Ursachen sind ein verspannter Beckenboden oder Verklebungen an der Klitoris (Adhäsionen).
- Sex-Toys können helfen, die Sensibilität zu trainieren und den eigenen Körper besser kennenzulernen.
- Viele Partner fokussieren zu stark auf Penetration und eigene Leistung, statt auf Vorspiel und die Bedürfnisse der Partnerin.
Lust verstehen: spontan oder responsiv
Männer erleben häufiger spontane Lust, sie ist einfach da. Viele Frauen erleben dagegen eher responsive Lust: Sie entsteht erst durch Berührung, Vorspiel und emotionale Sicherheit. Beides ist völlig normal.
Wer diesen Unterschied kennt, hört auf, ihn als Ablehnung zu deuten. Viele Beziehungen leiden, weil ein Partner annimmt, die andere sei „nicht mehr interessiert", statt nach den biologischen oder emotionalen Gründen zu fragen.
Kommunikation ist der Schlüssel
Dr. Rubins vielleicht wichtigste Botschaft: Bildung und offene Gespräche verhindern Missverständnisse. Guter Sex ist selten makellos, er ist auch mal unbeholfen und echt, und genau das macht Nähe aus. Pornografie schafft dagegen unrealistische Erwartungen.
Drei Fragen, die Paare einander stellen können:
- Was bedeutet „guter Sex" für dich?
- Was erregt dich wirklich?
- Welche Fantasien oder Vorlieben hast du?
Unterschiedliche Wünsche sind dabei normal, es geht um Kompromisse und echte Neugier statt Druck. Hilfreich ist auch, nach dem Sex kurz zu reflektieren: Was hat sich gut angefühlt, was nicht?
Die Masterclass über besseren Sex, Orgasmen & Lust
In diesem Gespräch erklärt Dr. Rachel Rubin, warum so viele Frauen keine passende Versorgung bekommen, was Hormone wirklich bewirken und wie offene Kommunikation Beziehungen rettet. Der verlinkte Abschnitt (ab ca. 42:56) widmet sich genau dem Thema Kommunikation und responsive Lust.
Auf YouTube ansehen (ab 42:56)Der Klick öffnet YouTube in einem neuen Tab. Auf unserer Seite werden dadurch keine externen Inhalte oder Tracker geladen. Das Gespräch ist auf Englisch.
Was du daraus mitnehmen kannst
Biologie zählt bei Frauen genauso wie bei Männern. Du darfst selbstbewusst nachfragen, eine zweite Meinung einholen und, wenn nötig, eine Spezialistin oder einen Spezialisten suchen. Bessere Versorgung und bessere Gespräche bedeuten am Ende mehr Lebensqualität, in der Beziehung und mit dir selbst.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine, zusammenfassende Information und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Bei Beschwerden oder vor dem Beginn einer Hormontherapie wende dich bitte an deine Ärztin oder deinen Arzt.
Er verdient Worte, Wissen und gute Versorgung." data-en="Your body is not broken and not “too complicated”. It deserves words, knowledge and good care.">Dein Körper ist nicht kaputt und nicht „zu kompliziert". Er verdient Worte, Wissen und gute Versorgung.